Einführende Worte zur Ausstellungseröffnung des Fotoklubs „Reflexion“ 90 am 23.9.2013 im Oberlandesgericht Jena

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Fotofreunde, liebe Gäste,

 

Blicke, Sichten und Ansichten – 12 Serien

 

Wenn Bilder Stimmungen wiedergeben, Blicke und Ansichten zum Ausdruck gebracht werden, dann geschieht das heute sehr oft über das Medium der Fotografie. Fotografie kann im 21. Jahrhundert sehr unterschiedlich sein. Abstrakt, verfremdet, analog, digital, übermalt, alles ist möglich. Der Erfurter Fotoklub „Reflexion 90“, der sich in den 80 er Jahren gründete,  stellt in den Räumen des Oberlandesgerichtes Jena  aus und zeigt das Thema „Serienbilder“. 

Naturimpressionen, Stadtansichten, Veduten, Makrokosmos, Mikrokosmos, Bewegung, Figur und Raum treffen sich hier. Hier gehen sie einen Dialog ein und lassen Raum für Fantasie und Selbsterkundung zu. Man erlebt morbide Häuserzeilen von Venedig und Istanbul, sie werden aufgenommen, zeigen ein Bild der Wirklichkeit oder einen Auschnitt der Wirklichkeit. Es reihen sich weiter ein Bilder vom Karneval, Sport, Stillleben oder Wolkenstudien. Es sind Varianten und unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt, auf die Dinge,  sie werden ganz speziell ausgelotet und in 12 unterschiedlichen Handschriften gezeigt. So sind es  Schwarz/Weiss-Fotografien und Farbfotografien. Man sieht persönliche Blicke, Einblicke, Sichten und Ansichten, die je nach Handschrift, variieren können und müssen. Jeder Fotograf  hat sich hier ein Thema gesucht und es in seine Form gebracht. Entstanden sind ausdrucksstarke Porträts, Landschaften und Architekturimpressionen, wie auch Stimmungsbilder. Sie werden unterschiedlich in Szene gesetzt oder einfach nur beobachtet, bearbeitet oder auch nicht.

Fotografie heißt klassisch: mit Licht zeichnen und erinnert zunächst an die Impressionisten, die mit Licht malten. Lichtbilder, Lichtpunkte und Lichtzeichen gibt es in den Serien in unterschiedlicher Art zu entdecken. Lichtpunkte auf der Wasseroberfläche von Venedig oder Lichtwellen an Fassaden der Häuser. In der Gruppe gibt es tatsächlich Aufnahmen, die nahezu gemalt wirken. Da sieht man die weichen Formen von Pilzen oder Insekten, von Gräsern oder Landschaften, weiche durchflutete Stimmungen und Licht und Schattenformen.  Das dauerhafte Lichtbild, das durch ein fotografisches Verfahren hergestellt wurde,  zeigt sich hier auf dem klassischen Papier. Im Hochformat oder im Querformat. Zu sehen sind die Serien als Abzug, das sind nun die Ergebnisse als  Papierbild . Die 12 Fotografen zeigen ganz unterschiedliche Blicke auf die Wirklichkeit, sie erfassen sie, zeigen sie, sie verfremden, sie stellen sie auch in Frage.

Das Bild trägt oft ein Bild im Bild in sich . Ihre Aufnahmen sind nicht einfach nur Abbilder der Wirklichkeit. Sie sind mehr. Schon in Texten des 19. Jahrhunderts wurde bereits auf den Kunstcharakter der Fotografie hingewiesen, der mit einem ähnlichen Einsatz der Technik wie bei anderen anerkannten zeitgenössische grafische Verfahren begründet wird. Damit wird auch die Fotografie zu einem künstlerischen Verfahren, mit dem ein Fotograf eigene Bildwirklichkeiten erschafft.  Auch zahlreiche Maler des 19. Jahrhunderts, erkannten dies und nutzten Fotografien als Mittel zur Bildfindung und Gestaltung, als künstlerisches Entwurfsinstrument für malerische Werke, allerdings weiterhin ohne ihr einen eigenständigen künstlerischen Wert zuzusprechen. Viele Fotografen des 19. Jahrhunderts waren auch als Maler tätig. Fotografie wurde bereits früh als Kunst betrieben. Erstmals trat die Fotografie in Deutschland in der Werkbund-Ausstellung 1929 in Stuttgart in den Focus .Mit dem Beginn der Fotografie veränderte sich der Blick auf die Welt. Neue Perspektiven, neue Blicke und Ansichten wurden erprobt. Und doch man blieb sehr lange in der Tradition, hinsichtlich der Komposition, wie in der Malerei.

Doch Fotografie heute ist mehr. Sie hat gerade im 21. Jahrhundert einen wichtigen Stellenwert. Nicht nur im Bezug zu Dokumentation, auch Bilder der Erinnerung werden immer wieder gespeichert und in Abzüge gebracht. Wenn wir Bilder in der Erinnerung speichern, dann geschieht das immer wieder auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Wir speichern diese Bilder zunächst in uns, aus dem Betrachten von Fotografien beginnt ein erneuter Erinnerungsgang. Wir denken in Bildern und wir leben mit Bildern. 12 Bildwelten werden hier aufgeschlagen, sie laden ein, tiefer in das Bild einzudringen und das „gemalte“ Licht zu erfahren, zu sehen und über Perspektiven nachzudenken, vielleicht auch über Technik.

Im Clubtagebuch  liest man:

05.09.2013

Die Bilder für die Fotoausstellung im Justizzentrum wurden eingesammelt. Die Laudatorin hatte Gelegenheit sich einen Überblick zu verschaffen. Die vom Justizzentrum gedruckten Plakate und Flyer wurden zurechtgeschnitten. Uli stellte uns seine neuesten Fotos vor. Nun sind die Ergebnisse vorhanden.

Aber was soll ein Fotoklub im 21. Jahrhundert? Er ist wichtiger denn je. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Diskussion und die Meinungsfindung zu Fotografien, die von den Mitgliedern angefertigt und vorgelegt werden. Der Club beteiligt sich seit 1996 am Mappenwettbewerb Thüringer Fotoclubs sowie an weiteren Aktivitäten der Gesellschaft für Fotografie e.V. in Thüringen.

1.   Dr. Joachim Lehmann „Island mit Felsen“

Er zeigt eine Serie in Schwarz/Weiss. Sein Thema ist Island. Blicke auf bizarre Felsen und Steine und Landschaften wechseln sich ab. Die morbide Struktur des Material wird gezeigt und erfasst.

2.   Dr. Eckhardt Schön“Istanbul“

Er blickt auf die Stadt Instanbul. Blickt auf Fassaden, Menschen und ersucht immer wieder die spannungsvolle Sillhoutette, die im Bild immer wieder auftaucht. Morbide Schönheit hält sich versteckt.

3.   Uwe Steinbrück“Verfremdung der Landschaft“

Fotografie, nicht digital, muss man hier sagen. Steinbrück arbeitet analog und versucht, mit unterschiedlichen Bearbeitungen den Prozess der Entwicklung zu beeinflussen. Weidenköpfe, Landschaften und Stillleben schälen sich heraus,werden verändert und verfremdet.

4.   Rainer Rohbeck“Venedig“

Venedig mit den fotografischen Blicken zu suchen, ist immer wieder interessant. Gondeln, Wasserbewegungen und Licht und Schatten werden bewußt gezeigt, digital bearbeitet, es werden Lichtpunkte gesetzt.

5.   Ulrich Seehagen“England in the rain“

England im Fluge? Nein, der Reiseblick auf England im Regen wird gezeigt. Unschärfe wird bewußt eingesetzt und zeigt Bewegung und Veränderung. Hier dominiert eine Impression und das Grün der Landschaften ist erkennbar.

 6.   Andre Ickert“Kairos im Sport“

Technik und Sport ist das Medium von ihm. Hier ist der Kairos wichtig, der exakte und genaue Moment, um Kraft und Konzentration zu zeigen.

7.   Sigrid Wuttke“Porträt“

Eine Serie von Porträts zeigt sie im Schwarz/Weiss. Klarheit und ein wacher Blick kommt zum Ausdruck.

8.   Antje Kreienbrink“Mikrokosmos“

Naturaufnahmen, Blicke in den Mikrokosmos kommen zum Ausdruck. Weiche Spuren runden das Bild ab, wirken malerisch.

9.   Wolfgang Krah“Licht und Schatten“

Stadtimpressionen von Venedig. Licht und Schattenvarianten runden das Bild ab.Bewegung und Licht werden sichtbar.

10.              Falk Meinhardt“Konstruktives“

Wege, Brücken und Seilkonstruktionen zeigen Technik und die Verwandtschaft mit konstruktiver Malerei.

11.              Volkmar Gorke“Karneval“

Die Maskerade, der Karneval steht im Mittelpubnkt. Farbige Bildwelten gaukeln Freude und Spass vor.

12.              Paul Jonca“Licht und Wolken“

Gräser am Strand wehen, zarte Gebilde in Grün. Es  zeigt sich Licht, Luft und Himmel, Transparenz.

 

In diesem Sinne erkunden sie die 12 Serien, die spannungsvoll Licht, Schatten, Landschaften und Figur und Porträts zum Ausdruck bringen.

 

Diana Trojca M.A.; Kunsthistorikerin

Erfurt, im September 2013